EuroTrak 2018: Schwerhörigkeit im europäischen Vergleich – Deutschland bleibt stabil

Die besten Ohren Europas haben die Menschen in der Schweiz und Norwegen. Die diszipliniertesten Hörgeräteträger leben in Dänemark.

Frankfurt 10. Oktober 2018– 12,2 Prozent der Menschen in Deutschland geben eine Hörminderung an. Damit bleibt der Anteil von Schwerhörigen hierzulande konstant – im Vergleich zu 2009 ist er sogar um einen Prozentpunkt gesunken. Dies ist vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ein erfreulicher Befund. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr Menschen mit einer Hörschwäche für die Nutzung von Hörgeräten. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle EuroTrak-Studie 2018 des Schweizer Marktforschungsunternehmens Anovum im Auftrag der Europäischen Vereinigung der Hörgerätehersteller (EHIMA) mit Blick auf Deutschland.

Schweizer haben die besten Ohren Europas

In der Schweiz leben mit 8 Prozent der Bevölkerung die wenigsten Menschen mit einer Hörschwäche. Norwegen und Belgien reihen sich mit 8,8 bzw. 9,6 Prozent knapp dahinter ein. Mit 10-12 Prozent liegen Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Dänemark, Italien und Deutschland sehr dicht beieinander. Polen bildet eine Ausnahme. Dort geben mit 16 Prozent doppelt so viele Menschen eine Hörschwäche an, wie in der Alpenrepublik.

Bei der Hörgerätenutzung liegt Dänemark an der Spitze. Hier nutzen 53 Prozent der Menschen mit Hörminderung Hörgeräte, gefolgt von Großbritannien und Norwegen. Deutschland liegt mit einer Nutzungsquote von 37 Prozent hinter der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich (je 41 Prozent). Insbesondere Italien und Polen haben mit 25 und 18 Prozent bei der Versorgung mit Hörgeräten noch Luft nach oben.

 

Bewusstsein für Hörgesundheit nimmt zu

Je schwerer die Einschränkung der akustischen Wahrnehmungsfähigkeit, desto höher steigt die Adaptionsrate moderner Hörsysteme: Auf einer Schweregrad-Skala zwischen eins und sechs gleichen beispielsweise drei Viertel der am stärksten Betroffenen ihre Einschränkung durch Hörgeräte aus. In der Teilnehmergruppe mit einer leichten Hörminderung fällt die Hörgerätenutzung mit 21 Prozent deutlich niedriger aus – im Vergleich zu 2015 eine Verdoppelung! Und 6 von 10 Hörgeräteträgern würden rückblickend früher Hilfe suchen. Als Grund dafür nennen 72 Prozent Verbesserungen im sozialen Austausch. Mehr als die Hälfte erlebt eine höhere emotionale Stabilität. „Offenbar ist in der Bevölkerung das Bewusstsein für das Thema Hörgesundheit innerhalb der letzten drei Jahre gewachsen. Jedenfalls werden jetzt auch weniger gravierende Höreinschränkungen als Symptome einer beginnenden Schwerhörigkeit ernst genommen. Betroffene suchen heute früher ihren Hausarzt, einen HNO-Spezialisten oder einen Hörakustiker auf, als dies 2015 der Fall war“, freut sich Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Hörgeräteindustrie.

Hörgeräte stören niemanden, eine Hörschwäche schon

Was im Einzelfall auch immer die Hinderungsgründe sein mögen, zeitnah einen Spezialisten aufzusuchen – soziale Ablehnung braucht niemand zu befürchten. Im Gegenteil, laut Umfrage erleben Hörgeräteträger vor allem Akzeptanz: 84 Prozent fühlen sich positiv von ihrem Umfeld angenommen; lediglich zwei Prozent haben negative Erfahrungen gemacht.

„Umgekehrt ist es heute viel wahrscheinlicher, Ablehnungsreaktionen aufgrund einer unbehandelten Schwerhörigkeit zu begegnen: Fast jeder Dritte aus diesem Teilnehmersegment ist gelegentlichen oder regelmäßigen Hänseleien ausgesetzt – zum Beispiel, weil es schwerfällt, Gesprächen zu folgen oder weil in bestimmten Situationen wichtige Informationen im Stimmengewirr oder anderen Hintergrundgeräuschen untergehen“, erläutert Dr. Zimmer.

 

Die Meldung sowie die Grafiken stehen auf bvhi.org zum Download bereit. Die Studienergebnisse finden Sie hier.

Über EuroTrak 2018

Seit 2009 untersucht das Züricher Marktforschungsunternehmen Anovum im Auftrag der Europäischen Vereinigung der Hörgerätehersteller (EHIMA) den Ausbreitungsgrad von Hörschäden und die Wechselwirkung zwischen Hörgeräte-Adaption mit verschiedenen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Faktoren. Die Online-Panel-Befragungen finden regulär im Drei-Jahres-Rhythmus in mehreren europäischen Ländern sowie 2018 auch in Japan und Neuseeland statt. Seit 2012 wurden europaweit insgesamt 145.312 Personen befragt. Die europäische Bevölkerungsstichprobe in der Erhebung 2018 umfasste 43.499 Menschen. Der deutschen Umfrage lag in diesem Jahr eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe von 13.853 Personen zugrunde.

 Über den Bundesverband der Hörgeräte-Industrie

Der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie ist die Vertretung der auf dem deutschen Markt tätigen Hörgerätehersteller. Er artikuliert die Interessen seiner Mitglieder und ist das Kommunikationsorgan für alle Themen rund um Hörtechnologie, Hörminderung und Innovation. Der Verband setzt sich für die Erhöhung der Nutzung von Hörgeräten durch Menschen mit einer Hörminderung ein und klärt über die Leistungsfähigkeit moderner Hörsysteme auf. Darüber hinaus befördert er die Zusammenarbeit mit allen Gruppen, die an der Versorgung mit Hörsystemen beteiligt sind. Dazu gehören Hörakustiker, HNO-Ärzte, Krankenkassen, andere Verbände und Interessengruppen sowie die Politik.

 

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