Hörhilfen werden vom Umfeld akzeptiert,
schlechtes Hören aber nicht

EuroTrak 2018: Immer mehr Menschen mit Hörminderung tragen ein Hörgerät

  • Sechs von zehn Hörgeräteträgern würden rückblickend früher Hilfe suchen.
  • Als Grund dafür nennen fast drei Viertel Verbesserungen im sozialen Austausch.
  • Mehr als die Hälfte berichtet von höherer emotionaler Stabilität.

Frankfurt, 12. Juni 2018 – Knapp 37 Prozent aller schwerhörigen Menschen in Deutschland tragen heute ein Hörgerät. 2015 waren es noch zwei Prozentpunkte weniger, 2009 sogar fünf Prozentpunkte. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Follow-up-Umfrage „EuroTrak 2018“ des Schweizer Marktforschungsunternehmens Anovum im Auftrag der Europäischen Vereinigung der Hörgerätehersteller (EHIMA). Laut Studie hat sich der Anteil der Menschen mit (selbst eingeschätzt) eingeschränktem Hörvermögen in den letzten Jahren hierzulande kaum verändert: Mit 12,2 Prozent liegt deren Anzahl derzeit um nur 0,1 Prozentpunkte über dem Wert von 2015. Im Vergleich zu 2009 sank der Verbreitungsgrad über alle Altersgruppen hinweg minimal um durchschnittlich 0,9 Prozentpunkte.

Bewusstsein für Hörgesundheit nimmt zu

Je schwerer die Einschränkung der akustischen Wahrnehmungsfähigkeit, desto höher steigt die Adaptionsrate moderner Hörsysteme: Auf einer Schweregrad-Skala zwischen eins und sechs gleichen beispielsweise drei Viertel der am stärksten Betroffenen ihre Einschränkung durch ein Hörgerät aus. Obgleich die Adaption in der Teilnehmergruppe mit einer leichten Hörminderung mit 21 Prozent deutlich niedriger ausfällt, zeigt die aktuelle EuroTrak-Umfrage dennoch eine Verdoppelung dieser Zahl gegenüber 2015. Offenbar ist in der Bevölkerung das Bewusstsein für das Thema Hörgesundheit innerhalb der letzten drei Jahre gewachsen. Jedenfalls werden jetzt auch weniger gravierende Höreinschränkungen als Symptome einer beginnenden Schwerhörigkeit ernst genommen. Betroffene suchen heute früher ihren Hausarzt, einen HNO-Spezialisten oder einen Hörakustiker auf, als dies 2015 der Fall war. Gleichwohl warten die meisten immer noch zu lange – nämlich durchschnittlich zwei Jahre.

Ein Grund dafür könnten durchaus finanzielle Bedenken sein: Laut Studie wissen 47 Prozent der Befragten mit einer unversorgten Hörminderung nicht, ob sie gegebenenfalls mit finanzieller Unterstützung zum Beispiel von ihrer Krankenkasse rechnen können. Elf Prozent verneinen dies sogar. Die Realität sieht indessen anders aus, denn ein Viertel der befragten Hörgeräteträger konnt sich über eine vollständige Erstattung freuen. Weitere 69 Prozent erhielten Zuschüsse. 

Früher möglich: Wohlbefinden und ein erfüllteres soziales Leben

Was im Einzelfall auch immer die Hinderungsgründe sein mögen, zeitnah einen Spezialisten aufzusuchen – soziale Ablehnung braucht niemand zu befürchten. Im Gegenteil, laut Umfrage stoßen Hörgeräteträger auf zunehmende Akzeptanz: Lediglich zwei Prozent von ihnen haben negative Erfahrungen gemacht; 84 Prozent hingegen fühlen sich positiv von ihrem Umfeld angenommen.

Umgekehrt ist es heute viel wahrscheinlicher, Ablehnungsreaktionen aufgrund einer unbehandelten Schwerhörigkeit zu begegnen: Fast jeder Dritte aus diesem Teilnehmersegment ist gelegentlichen oder regelmäßigen Hänseleien ausgesetzt – zum Beispiel, weil es schwerfällt, Gesprächen zu folgen oder weil in bestimmten Situationen wichtige Informationen im Kontinuum der Hintergrundgeräusche untergehen. Kein Wunder, dass 60 Prozent der Hörgeräteträger rückblickend einräumen, sie hätten schon viel früher Hilfe suchen sollen. Als Begründung nannten 72 Prozent den verbesserten sozialen Austausch mit anderen Menschen, seit sie ein Hörsystem tragen. 52 Prozent berichten überdies von einer stabileren mentalen Verfassung und höheren emotionalen Ausgeglichenheit.

Die vollständigen Ergebnisse für Deutschland finden Sie hier zum Download.

 

Über EuroTrak 2018
Seit 2009 untersucht das Züricher Marktforschungsunternehmen Anovum im Auftrag der Europäischen Vereinigung der Hörgerätehersteller (EHIMA) den Ausbreitungsgrad von Hörschäden und die Wechselwirkung zwischen Hörgeräte-Adaption mit verschiedenen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Faktoren. Die Online-Panel-Befragungen finden regulär im Drei-Jahres-Rhythmus in mehreren europäischen Ländern sowie 2018 auch in Japan und Neuseeland statt. Der deutschen Umfrage lag in diesem Jahr eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe von 13.853 Personen zugrunde.

Über den Bundesverband der Hörgeräte-Industrie
Der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie ist die Vertretung der auf dem deutschen Markt tätigen Hörgerätehersteller. Er artikuliert die Interessen seiner Mitglieder und ist das Kommunikationsorgan für alle Themen rund um Hörtechnologie, Hörminderung und Innovation. Der Verband setzt sich für die Erhöhung der Nutzung von Hörgeräten durch Menschen mit einer Hörminderung ein und klärt über die Leistungsfähigkeit moderner Hörsysteme auf. Darüber hinaus befördert er die Zusammenarbeit mit allen Gruppen, die an der Versorgung mit Hörsystemen beteiligt sind. Dazu gehören Hörakustiker, HNO-Ärzte, Krankenkassen, andere Verbände und Interessengruppen sowie die Politik.

 

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